Rezension | Auster und Klinge | Lilian Loke

Victor führt ein Doppelleben, als Hotelfachmann und Einbrecher. Als er wegen eines Bruchs im Gefängnis landet und von Frau und Tochter verstoßen wird, will er nach der Haft nur noch eines: Ein eigenes Restaurant eröffnen, um seine Familie zurückzugewinnen. Auch Georg hat zwei Identitäten, als Künstler einerseits und Erbe eines milliardenschweren Schlachtkonzerns andererseits. Doch Georg rührt seinen Erbteil nicht an, hasst die barbarischen Produktions- und Arbeitsbedingungen nicht nur in der familieneigenen Firma genauso, wie er den Kunstbetrieb verachtet: Er will die Gesellschaft mit radikalen Kunstaktionen aufrütteln – mit Aktionen, die wehtun. Als Victor zufällig bei Georg unterkommt, treffen sie eine Abmachung: Victor bringt Georg das Einbrechen bei. Dafür erhält er von Georg das Kapital für sein ersehntes Restaurant. Der Plan scheint aufzugehen, bis Georgs Aktionen außer Kontrolle geraten … Virtuos und mit bösartiger Komik erzählt Lilian Loke von einem riskanten Deal in einer erbarmungslosen Welt.

Die Buchgestaltung gefällt mir sehr gut. Ich mag das auffallende Pink und die Kombination mit dem orangefarbenen Herz. Das Organ ist hervorgehoben und glänzend vom Hintergrund abgesetzt, welcher sich matt anfühlt. Der Schriftzug des Titels ist modern und fügt sich in das Gesamtbild perfekt ein. Unter dem Schutzumschlag fand ich einen weißen Einband und die ersten Seiten sind schwarz, ebenso die Titelbeschriftung am Buchrücken.


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Ein Murmeln aus Dutzenden Mündern erfüllt das Callcenter, während Georg auf seinem Merkblatt herumkritzelt, stets lächeln beim Sprechen, Verständnis zeigen, Essverbot am Platz, Georg zeichnet Herzkranzgefäße, Aorta, Muskelgewebe mit schnellem, fließendem Strich quer über die schnörkellose Computerschrift.

“Auster und Klinge” habe ich im Rahmen einer Leserunde gelesen und ich freute mich auf eine unterhaltsame und humorbespickte Gaunerstory. Was ich dann vorfand, war alles andere als eine witzige und leichte Kost. Ich musste mich zeitweise durch den Lesestoff quälen.

Victor ist Hotelfachmann und sein Zweitjob Einbrecher. Als er wegen eines Einbruchs inhaftiert wird, verliert er seine Frau und seine 4-jährige Tochter. Nach seiner Entlassung plant er, ein eigenes Restaurant zu eröffnen und seine Familie zurückzugewinnen.
Georg, ein wohlhabender Künstler provoziert die Gesellschaft durch radikalen Kunstaktionen und versucht sie somit aufzurütteln. Beide führen ein Doppelleben und als sie aufeinandertreffen, schmieden die Männer einen Plan. Victor soll Georg das Einbrechen beibringen und im Gegenzug erhält Victor von Georg die finanzielle Unterstützung für seinen Traum. Das dabei nicht alles wie geplant abläuft, ist vorprogrammiert.

Ich brauchte zwei Anläufe dieses Buch zu lesen und spielte mehrfach mit dem Gedanken es abzubrechen, weil ich sowohl mit dem Schreibstil nicht zurechtkam und etwas völlig anderes erwartet habe.
Lilian Lokes Schreibstil ist anspruchsvoll und mühsam zu lesen. Ich brauchte eine lange Zeit, um mich daran zu gewöhnen, und fand leider nicht in die Erzählung. Es folgten einige Erzählstränge und Umschreibungen, die langatmig waren und mich ermüdeten. Die Autorin nutzte immer wieder viele Aufzählungen von Begriffen, wie z.B. über das Essen, in anderen Worten formuliert, die teilweise bis zu einer Seite umfassten. Ich verstand den Hintergrund, was sie mir damit vermitteln wollte, doch das war mir zuviel des Guten und langweilte mich. Ich konnte während des Lesens keinen richtigen roten Faden finden, der mich durch die Geschichte führte.

Die Charaktere waren speziell und ich konnte mich mit beiden nicht anfreunden. Georg wurde mir im Verlaufe des Buches immer unsympathischer durch sein Verhalten und seinen Aktivitäten. Eine Szene blieb mir dabei stark im Gedächtnis und schockierte mich über so viel Grausamkeit. Nach diesem Abschnitt konnte ich eine lange Zeit kein Schweinefleisch mehr essen. So furchtbar diese Handlung war, so sieht leider nicht Realität aus. Die Schriftstellerin ist schonungslos und ehrlich auf diese Aktivität eingegangen und das fand ich gut.
Victor dagegen war mir eher gesonnen, auch wenn ich ihn nicht immer einschätzen und verstehen konnte. Er hatte einen Fehler begangen und wollte daraus lernen. Seine Entwicklung hab ich gerne verfolgt.

Es dauert lange bis sich die Geschichte zu dem entfaltet, was der Klappentext verrät. Erst im letzten Drittel des Buches kommt es zu dem besagten Deal, auf was ich lange gewartet habe. Im Endeffekt hätte mir das Ende allein schon gereicht und der Umschlagtext beschreibt den gesamten Inhalt.
Der Schluss hat mich überrascht, wie sich die Rollen der Protagonisten getauscht haben und einer der Charaktere sich von der Auster in die Klinge gestürzt hatte.

“Auster und Klinge” von Lilian Loke konnte mich nicht begeistern und ich quälte mich durch den Lesestoff. Erwartet habe ich eine Gaunerstory mit einer humorvollen Ader, wovon dieses Buch weit entfernt war. Hier hat die Chemie zwischen dem Buch und mir von Anfang an nicht gepasst. ~ anstrengender und langweiliger Schreibstil ~ Klappentext verrät die komplette Handlung ~ für Kunstliebhaber interessant.



Ein Herzloser ist ein Krüppel, einer mit Herz weiß, was er tut. (Seite 94)

Was zu oft mit Stärke verwechselt wird, ist der bloße Vorteil durch die Schwäche anderer. (Seite 99)


 

© Christoph Mukherjee

Lilian Loke, geboren 1985, studierte Englische Literaturwissenschaft, Kunstgeschichte und Neuere deutsche Literatur und lebt in München. Ihr Debütroman „Gold in den Straßen“ erschien 2015 und wurde mit dem Bayerischen Kunstförderpreis und dem Tukan-Preis ausgezeichnet. Für ihre literarischen Arbeiten erhielt sie u. a. das Literaturstipendium der Stadt München, das Werkstattstipendium der Jürgen-Ponto-Stiftung und der Autorenwerkstatt des Literarischen Colloquiums Berlin. Seit 2016 ist sie Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland.

 


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© Cover: C. H. Beck Verlag;
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